Erfahrungen sammeln und daraus lernen

In der Pilotphase testen Sie die KI-Lösung unter realen Bedingungen in einem klar abgegrenzten Bereich Ihrer Einrichtung.

Hier geht es nicht nur um das reine „Anschalten“ der Software, sondern um den Beweis, dass die Technologie Ihr Team entlastet und die Versorgungsqualität steigert.

Die anschließende Evaluation liefert Ihnen eine belastbare Entscheidungsgrundlage: Lohnt sich die Investition für einen flächendeckenden Roll-out?

Praxistipp

Pilotprojekte schaffen dafür einen geschützten Rahmen. Sie ermöglichen es, KI praxisnah zu erproben, offene Fragen zu klären und die Anwendung gemeinsam weiterzuentwickeln.

Voraussetzung

Ein aussagekräftiger Pilotlauf setzt voraus, dass Sie den Testbereich klar abgegrenzt und ein gemischtes Test-Team aufgestellt haben. Tipps dafür finden Sie in Schritt 5: Beteiligte einbinden.

Älterer Mann sitzt entspannt mit einem Tablet in der Hand auf einem Sofa

Praxistipp

Sprechen Sie das Herstellerunternehmen direkt auf eine Test- oder Pilotlizenz an. Häufig lassen sich Testphasen durch den Anbieter vergünstigen oder aus eigenen Digitalisierungs-Budgets als geförderter Business-Case finanzieren.

Ihr Nutzen: Risiken minimieren, Evidenz schaffen

Ein geschützter Pilotlauf schützt Sie vor teuren Fehlkäufen und sichert den Praxiserfolg:

  • Erfüllt:

    Praxistest statt Papierform: Sie sehen schwarz auf weiß, ob die KI mit Ihren echten Pflegedaten und Prozessen funktioniert.

  • Erfüllt:

    Fehler im Kleinen beheben: Technische Hürden oder Datenschutzfragen klären Sie im geschützten Rahmen.

  • Erfüllt:

    Akzeptanz im Team verankern: Die Pilot-Fachkräfte werden zu lokalen Expert:innen und überzeugen das restliche Team aus eigener Erfahrung.

Reflexionsfragen: 6 Themenfelder für Ihre Evaluation

Nutzen und Wirkung

• Werden die im Konzept definierten Ziele (z. B. Zeitersparnis bei der Dokumentation) erreicht?
• Welchen konkreten Mehrwert erleben Pflegekräfte und Pflegebedürftige im Alltag?
• Unterstützt das System Ihre Einrichtung dabei, als moderner Arbeitgeber wahrgenommen zu werden?

Anwenderperspektive und Akzeptanz

• Welche Alltags-Hindernisse treten auf? Wird die KI regelmäßig genutzt oder umgangen?
• Lässt sich die Software intuitiv bedienen oder fordert sie zu viele Klicks/Eingaben?

Menschliche Aufsicht und Sicherheit

• Sind die Ergebnisse der KI plausibel und nachvollziehbar?
• Wer kontrolliert Empfehlungen? Ist sichergestellt, dass Entscheidungen nicht ohne Prüfung übernommen werden?

Organisation und Schulung

• Welche Prozessanpassungen oder neuen Rollen sind im Alltag nötig?
• Reichen die Schulungskonzepte aus oder braucht es mehr Training-on-the-Job?

Fairness und Vielfalt

• Funktioniert das KI-System in allen Pflegesituationen und bei allen Bewohnergruppen gleich verlässlich?
• Berücksichtigt die KI z. B. unterschiedliche Akzente, Dialekte oder Sprachniveaus im Team fehlerfrei, ohne Mitarbeitende mit Migrationshintergrund zu benachteiligen?

Dauerhaftes Monitoring

• Wie überwachen wir die Leistung und Genauigkeit der KI nach der Einführung?
• Welche Kennzahlen verfolgen wir langfristig?

Praxistipp

Nutzen Sie diese Fragen als Checkliste für Ihre Projekt-Evaluation. Sie helfen dabei, mögliche übersehene Themen aufzudecken und gezielt Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Die 3 Dimensionen der Erfolgsmessung

Der Erfolg eines KI-Projekts bemisst sich nicht allein an technischen Kennzahlen wie Reaktionszeit oder Ausfallrate. Erst wenn alle drei Dimensionen positiv bewertet werden, ist Ihr System bereit für die Skalierung.

Evaluations-Dimension Worauf Sie achten müssen Messmethoden in der Praxis

1. Technische Leistung

Läuft die Software stabil, genau und verlässlich im gewohnten Arbeitsablauf?

Fehlerraten, Systemausfälle, Antwortzeiten der Software.

2. Nutzerakzeptanz

Vertraut das Team dem System? Erleichtert die Software die Arbeit oder erzeugt sie Frust? Hier zeigt sich, ob die Beteiligung aus Schritt 5 gegriffen hat.

Befragungen, Beobachtungen im Alltag, Nutzungsstatistik.

3. Versorgungsqualität

Erhöht das Tool die Sicherheit der Bewohner:innen oder spart es Zeit für Zuwendung?

Sturzzahlen, Pflegeberichte, Feedback von Bewohner:innen und Angehörigen.

4 Erfolgsfaktoren für einen aussagekräftigen Pilotlauf

Training-on-the-Job statt reiner Theorie

Standard-Schulungen im Seminarraum reichen selten aus. Begleiten Sie Mitarbeitende direkt in den ersten Arbeitswochen vor Ort. Dieses Training-on-the-Job ermöglicht es, Fragen im Pflegealltag sofort zu klären und Sorgen direkt abzubauen.

Digitalisierung als Investition in die Arbeitgeberattraktivität

Betrachten Sie den KI-Einsatz nicht nur unter Kostenaspekten. In Zeiten des Fachkräftemangels ist moderne Technik ein echter Wettbewerbsvorteil.

„Pflegekräfte können sich mittlerweile aussuchen, wo sie arbeiten möchten. [Benefits] sind heutzutage Dinge wie Technologienutzung und assistive Tools, die dir deinen Pflegealltag erleichtern, wo du bestmöglich aktiv bei der Arbeit unterstützt wirst […] und bei einem höheren Grad der Pflege mehr Zeit am Menschen verbringst.“

Anwendbarkeit einfordern: Software muss zum Betrieb passen

Jede Pflegeeinrichtung hat eigene Strukturen. Ein gutes Basissystem reicht nicht – der Anbieter muss bereit sein, Systemänderungen passend zu Ihren Prozessen vorzunehmen.

Mut zur Lücke: Aus Erfahrungen lernen

Vermeiden Sie falschen Perfektionismus. Ziel der Pilotphase ist ein funktionierendes, sicheres und vom Team akzeptiertes System – nicht eine fehlerfreie Lösung ab der ersten Minute.

Praxistipp

Fordern Sie vom Software-Hersteller Flexibilität ein. Beschreiben Sie Ihre konkreten Abläufe und fragen Sie gezielt: „Wie lässt sich Ihre Software an unsere Anforderungen anpassen?“

Ihr Ergebnis nach diesem Schritt

Am Ende der Evaluation liegt Ihnen folgendes Fundament vor:

  • Erfüllt:

    Evidenzbasierte Daten über den Nutzen, die Kosten und die Zeiteinsparung der KI.

  • Erfüllt:

    Feedback Ihres Pflegesteuerungsteams zu Hürden und Anpassungsbedarfen.

  • Erfüllt:

    Eine klare, fundierte Entscheidung für oder gegen die flächendeckenden Einführung des KI-Systems.

Wie es jetzt weitergeht

Die Pilotphase war erfolgreich und die Zahlen stimmen? Im finalen Schritt 7: Skalierung – Lösungen nachhaltig etablieren erfahren Sie, wie Sie die Lösung nachhaltig in der gesamten Einrichtung etablieren und die Nutzung dauerhaft absichern.

Quellen

  • Viele der im KI-Fahrplan verwendeten Inhalte basieren auf dem im Projekt „Care-AI“ erarbeiteten Projektkontext und den dort zusammengetragenen Materialien.
  • World Health Organization. (2021). Ethics and governance of artificial intelligence for health. https://www.who.int/publications/i/item/9789240029200
  • Greenhalgh, T., Wherton, J., Papoutsi, C., Lynch, J., Hughes, G., A’Court, C., Hinder, S., Fahy, N., Procter, R., & Shaw, S. (2017). Beyond adoption: A new framework for theorizing and evaluating nonadoption, abandonment, and challenges to scale-up, spread, and sustainability (NASSS). Journal of Medical Internet Research, 19(11), e367. https://doi.org/10.2196/jmir.8775
  • Greenhalgh, T., Hinder, S., Stramer, K., Bratan, T., & Russell, J. (2010). The NASSS framework: A synthesis of multiple theories of technology implementation.
  • Greenhalgh, T., Robert, G., Macfarlane, F., Bate, P., & Kyriakidou, O. (2004). Diffusion of innovations in service organizations: Systematic review and recommendations. Milbank Quarterly, 82(4), 581–629.
  • Morley, J., et al. (2021). Towards a framework for evaluating the safety, acceptability and efficacy of AI systems for health. BMJ Health & Care Informatics.
  • Organisation for Economic Co-operation and Development. (2026). Scaling artificial intelligence in health. OECD Publishing.
  • Reddy, S., Fox, J., & Purohit, M. (2021). Artificial intelligence-enabled healthcare delivery: Evaluation framework for implementation in clinical settings. BMJ Health & Care Informatics.