Ein Konzept für nachhaltige Einführung

Die Einführung von KI ist kein technischer „Stecker-rein-und-fertig-Akt“, sondern ein nachhaltiger Veränderungsprozess.

Mit einem durchdachten Konzept sichern Sie Ihr Projekt vor teuren Fehlinvestitionen ab, schaffen klare Zuständigkeiten und sorgen dafür, dass die Entlastung auch wirklich im Pflegealltag ankommt.

6 Reflexionsfragen für Ihre Konzepterstellung

  • Strategie und Orientierung: Wo stehen wir aktuell bei der Digitalisierung unserer Einrichtung? Welche Ziele verfolgen wir mit digitalen Lösungen?

  • Finanzen: Welche Kosten entstehen kurz- und vor allem auch langfristig (z. B. für Lizenzen, Wartung, Schulungen, regelmäßige Updates)?

  • Personal: Wer im Team kümmert sich um die Einführung und interne Prozesse? Wer ist dauerhafte Ansprechperson für das Team? Wie viel Arbeitszeit müssen wir dafür freistellen?

  • Technik: Ist unsere vorhandene technische Infrastruktur (flächendeckendes WLAN, moderne Endgeräte) ausreichend?

  • Förderungen: Welche Anlaufstellen gibt es, um uns über Fördermöglichkeiten und technische Voraussetzungen zu informieren?

  • Schnittstellen: Kann die neue KI-Software Daten aus unserem bestehenden Pflegedokumentationssystem auslesen?

Praxistipp

Führen Sie eine gemeinsame Sitzung mit der Leitung, IT-Verantwortlichen / Softwareanbietern und Pflegefachleitung durch. Auch eine interne Ansprechperson im Bereich Finanzen und Fördermöglichkeiten sollte Teil der Runde sein.

Prüfen Sie gemeinsam, ob es in Ihrer Einrichtung bereits eine Digitalisierungsstrategie oder einen digitalen Entwicklungsplan gibt. Falls nicht, beginnen Sie mit einer einfachen Übersicht:

  • Welche digitalen Lösungen nutzen wir bereits?
  • Welche Herausforderungen möchten wir durch Digitalisierung und KI lösen?
  • Welche nächsten Schritte sind realistisch?

Konzeptbereich 1: Finanzierung und Budgetierung in Deutschland

Fördermittel nutzen

Es gibt auf Bundes- und Landesebene zahlreiche attraktive Förderprogramme für die Pflege. Diese bieten nicht nur Informationen, sondern auch Beratung und Unterstützung bei der Antragstellung.

 

Gesamtbudget statt nur Kaufpreis

Planen Sie vorausschauend. Oft fallen zusätzliche Kosten für die Einbindung in Ihre Pflegedokumentation oder für externe Beratungen an.

Eine Übersicht über bestehende Fördermöglichkeiten

Das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege bietet auf seiner Webseite eine regelmäßig aktualisierte Übersicht über bestehende Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene. Die Informationen unterstützen Sie dabei, passende Förderprogramme zu finden und sich einen Überblick über die verfügbaren Möglichkeiten zu verschaffen.

Bitte beachten Sie, dass das Kompetenzzentrum selbst keine individuelle Förderberatung anbietet und nicht als persönliche Anlaufstelle für konkrete Förderanfragen zur Verfügung steht.

Finanzierung und Förderung im Ländervergleich

Deutschland Dänemark

Förderprogramme für Digitalisierung und KI existieren auf Bundes- und Landesebene.

Pflegeeinrichtungen bzw. ihre Träger müssen geeignete Fördermöglichkeiten häufig selbst identifizieren und Fördermittel beantragen.

Die Pflegelandschaft ist durch freigemeinnützige und private Träger geprägt. Dadurch können sich Finanzierungswege, Entscheidungsstrukturen und Zuständigkeiten zwischen Einrichtungen deutlich unterscheiden.

Durch die unterschiedlichen Träger- und Organisationsstrukturen müssen Einrichtungen Finanzierung, Zuständigkeiten und technische Voraussetzungen häufig stärker individuell klären.

Die Finanzierung und Förderung sind stärker kommunal geprägt. Größere Kommunen verfügen teilweise über eigene Innovationsfonds und können zusätzlich auf nationale Unterstützungsangebote für KI und Digitalisierung zurückgreifen. Kleinere Kommunen finanzieren entsprechende Vorhaben teilweise direkt aus ihren Pflegebudgets.

Viele Förder- und Unterstützungsangebote richten sich deshalb unmittelbar an die Kommunen. Privat betriebene Pflegeeinrichtungen sind selten und arbeiten häufig im Auftrag einer Kommune. Der Zugang zu kommunalen Fördermöglichkeiten erfolgt daher in der Regel über die zuständige Kommune.

Kommunale Strukturen können grundsätzlich eine gemeinsame Planung, Finanzierung und Skalierung digitaler Lösungen über mehrere Einrichtungen hinweg ermöglichen. Ob dies tatsächlich zu einer einfacheren Umsetzung führt, hängt jedoch von der jeweiligen Kommune, ihren finanziellen und organisatorischen Ressourcen sowie den bestehenden Kooperationsstrukturen ab.

Konzeptbereich 2: Mensch und Kultur

Ängste abbauen

Neue Technik löst oft Sorgen aus („Ersetzt mich die KI?“, „Vielleicht mache ich etwas falsch“). Sprechen Sie diese offen an. Planen Sie von Anfang an ausreichend Zeit für verständliche Schulungen ein.

 

Klare Zuständigkeiten

Projekte versanden, wenn sich niemand dauerhaft verantwortlich fühlt. Es braucht feste, benannte Rollen (z. B. Digitalisierungsbeauftragte), an die sich das Pflegepersonal bei Fragen wenden kann.

Leerer Wohnbereich mit Rollator und Rollstuhl neben einem gedeckten Tisch mit Schachbrett

Konzeptbereich 3: Technische Voraussetzungen für KI

Geringe Hardware-Anforderungen

Die meisten modernen KI-Lösungen laufen cloudbasiert über das Internet. Sie brauchen vor Ort keine teuren Hochleistungsrechner.

 

Die Mindest-Infrastruktur

Unverzichtbar sind ein stabiles, sicheres WLAN in allen Wohnbereichen, moderne mobile Endgeräte (Tablets/Smartphones, z. B. für Ganganalysen- oder Wundanalyse-Apps) sowie eine verlässliche Stromversorgung (z. B. für Sturzsensoren).

 

Das Nadelöhr „Schnittstellen“

Viele KI-Tools funktionieren am besten, wenn sie Daten aus Ihren bestehenden Systemen (Dokumentation, Dienstplanung,…) und externen Quellen (Apotheken, Krankenhäuser) nutzen können. In der Praxis fehlen hierfür jedoch oft einheitliche Schnittstellen. Zudem benötigt KI strukturierte Daten, während in der Pflege meist individuelle Freitexte genutzt werden.

 

Datenschutz (DSGVO)

Da mit hochsensiblen Gesundheitsdaten gearbeitet wird, muss die IT-Sicherheit von Sekunde eins an wasserdicht sein. Erfahren Sie mehr hierzu in Schritt 3.

Symbolgrafik für Datenschutz: Hand auf einer Laptop-Tastatur mit digitalen Schloss- und Sicherheitssymbolen

Konzeptbereich 4: Zentrale Erfolgsfaktoren auf Organisationsebene

Nutzen für die Pflegepraxis

KI muss die Arbeit erleichtern, nicht erschweren. Wenn Technologie die Fachlichkeit unterstützt, wird sie akzeptiert.

 

Entscheidungsmacht liegt bei den Menschen

KI ist kein Ersatz für Pflegefachkräfte – sie soll Entscheidungen unterstützen.

 

Strategie und Priorisierung auf Leitungsebene

Ohne eine offene, engagierte und innovationsbereite Führung bleibt Innovation blockiert.

Nahaufnahme: Zwei Hände halten behutsam die Hand einer älteren Person im Rollstuhl

Praxisbeispiel – Digitalisierung im Ländervergleich Dänemark und Deutschland

Deutschland und Dänemark

In einem dänischen Pflegezentrum ist die Struktur klar: Fragt man dort das Personal, wer für die Einführung einer neuen KI-gestützten Sturzprävention zuständig ist, gibt es sofort eine eindeutige Antwort und eine feste Ansprechperson vor Ort.

In einem vergleichbaren deutschen Fall zeigt sich oft eine fragmentierte Struktur: Die Verantwortung ist zwischen Pflegedienstleitung, der IT des Trägers und der Geschäftsführung aufgeteilt.

Die Folge: Der Software-Hersteller weiß nicht, wen er ansprechen soll, Entscheidungen verzögern sich und engagierte Pflegekräfte kapitulieren frustriert vor den unklaren Dienstwegen. Im schlimmsten Fall „…versandet sowas natürlich auch schnell und das ist halt total frustrierend für die Mitarbeitenden, die sich da auch irgendwie verantwortlich zeigen wollen und engagieren.“ (Interview mit einem Experten für Softwareentwicklung)

Praxistipp

Benennen Sie vor dem Start ein klares, interdisziplinäres Projektteam mit definierten Entscheidungsbefugnissen.

Führen Sie einen „Infrastruktur-Check“ durch – mit einem einfachen Fragebogen für alle Bereiche (Pflege, IT, Verwaltung).

Praxisbeispiel: Wenn Wunschdenken auf veraltete Strukturen trifft

Eine Pflegedienstleitung möchte eine KI-gestützte Dienstplan-Software einführen, um das Team bei kurzfristigen Ausfällen flexibel zu entlasten.

Doch das Projekt gerät schnell ins Stocken: Die Entscheidungsmacht liegt allein bei der konservativen Geschäftsführung, welche die Idee monatelang blockiert.

Als sie schließlich einlenkt, knüpft sie das Budget an die unrealistische Erwartung, dass die Technik sofort Kosten einspart und Personal ersetzt – der eigentliche Nutzen für die Pflegekräfte rückt in den Hintergrund.

Beim Kauf folgt der finale Dämpfer: Die bestehende Software-Landschaft der Einrichtung ist ein Flickenteppich aus verschiedenen Anbietern für Dokumentation und Zeiterfassung. Diese blockieren die neue KI durch fehlende Schnittstellen oder hohe Zusatzkosten.

Älterer Mann im Rollstuhl im Gespräch mit einer Pflegekraft mit Klemmbrett in einem Wohnzimmer

Praxistipp

Klären Sie die Erwartungen des Trägers und die technische Offenheit Ihrer bestehenden Software-Anbieter unbedingt vorab, um Blockaden und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Ihr Ergebnis nach diesem Schritt

Sie wissen nun, was das Projekt kostet, wer es steuert und ob Ihre Technik bereit ist. Sie können:

  • Erfüllt:

    Kosten realistisch einschätzen und Fördermöglichkeiten nutzen

  • Erfüllt:

    Ressourcen (Personal, Zeit, Infrastruktur) planen

  • Erfüllt:

    IT-Infrastruktur und Schnittstellen bewerten

  • Erfüllt:

    Zuständigkeiten klären und Prozesse transparent gestalten

Wie es jetzt weitergeht

Der passende KI-Anbieter ist ausgewählt und der Vertrag steht? Nun kommt der Schritt, der über Erfolg oder Misserfolg Ihres Projekts entscheidet: In Schritt 5: Beteiligte einbinden erfahren Sie, wie Sie Pflegende, Bewohner:innen und Angehörige von Anfang an mitnehmen und echte Akzeptanz für die neue Lösung schaffen.

Quellen

  • Viele der im KI-Fahrplan verwendeten Inhalte basieren auf dem im Projekt „Care-AI“ erarbeiteten Projektkontext und den dort zusammengetragenen Materialien.